Marion Oelmann Literaturcafe Waschhäusl

Lesung im Waschhäusl

Marion Oelmann – (W)orte und Erinnerungen

am 20. März 2026

Hinterher waren sich alle einig, dass diejenigen, die nicht zur Lesung gekommen sind etwas verpasst haben. Am Freitag, den 20. März 2026 trug die Autorin Marion Oelmann im Literaturcafé eine Auswahl von Texten und Textfragmenten aus ihren Büchern vor. Die erste Kurzgeschichte handelt von einen Ort, auf dessen Ortsschild tatsächlich der Name „Ort“ steht – was zu kuriosen Verwicklungen und witzigen Sprachkapriolen führt. Gibt jemand, der hier geboren wurde, auf die Frage nach dem Geburtsort „Geboren in: Ort“ an? In den Augen der Schriftstellerin ist es denn auch kein Zufall, dass der ‚Ort‘ im ‚Wort‘ enthalten ist. Viel eher scheint es ihr ein Hinweis darauf zu sein, dass wir Menschen mit und in den Worten Orte schaffen für Erinnerungen – Raum für Geschichten.

Marion Oelmann, die in Amsterdam Kunstgeschichte studiert und für ein gutes Jahrzehnt hauptsächlich über Kunst gesprochen und geschrieben hat, ist auch in ihrem literarischen Schreiben eine aufmerksame Beobachterin. Ihre Formulierungen sind sorgfältig gewählt, oft suchend und die beschriebene Situation ausleuchtend und hinterfragend bis ins kleinste Detail. Man spürt eine große Lust an der Sprache, am Denken und Nachdenken, am Erzählen. Das Publikum wird mit einladenden Gesten und fast choreographisch den Vortrag begleitenden Handbewegungen hineingezogen ins Geschehen. Beispielsweise als es um den Besuch eines riesigen, in einer Kunsthalle unter der Decke hängenden Kunstwerks aus begehbaren Gitternetzen geht. Die beschriebene Kunst ist auf einmal mehr als nur visuelles Erlebnis, sie wird zur körperlichen Erfahrung. Beim Zuhören erlebt man jeden tastenden Schritt, der im Text gegangen oder auch nicht gegangen wird geradezu dreidimensional mit. Schwindel beim Blick in die Tiefe und Freude über einen lebendigen, vergnügten, Hirnzellen aktivierenden Lesungs-Abend.

Website der Autorin Marion Oelmann: https://aboutart.de/